From 5d0bfe4e1c6e058ad2bd1d882047a79698be40d6 Mon Sep 17 00:00:00 2001 From: Alex Schroeder Date: Fri, 9 Aug 2024 17:27:11 +0200 Subject: [PATCH] Echtzeit als Dialog --- issue04/Makefile | 2 +- issue04/echtzeit | 139 ++++++++++++++++++++++++++++++----------------- 2 files changed, 91 insertions(+), 50 deletions(-) diff --git a/issue04/Makefile b/issue04/Makefile index 8eef593..b8ae436 100644 --- a/issue04/Makefile +++ b/issue04/Makefile @@ -1,4 +1,4 @@ -SRC=../macros cover forward patrons massenschlachten lostprocedures fifty report grenzland feedback ausblick imprint +SRC=../macros cover forward patrons massenschlachten lostprocedures fifty echtzeit report grenzland feedback ausblick imprint all: Grenzland4.pdf diff --git a/issue04/echtzeit b/issue04/echtzeit index 4bc872d..fd616db 100644 --- a/issue04/echtzeit +++ b/issue04/echtzeit @@ -28,70 +28,111 @@ echte zwei Wochen später ausgespielt, begleitet die Fantasie des reisenden Charakters die Spielerin für die nächsten zwei Wochen. Ich glaube, dass das sehr zur Immersion beitragen kann. .alex -Wenn man mit einem offenen Tisch spielt, wenn es mehr als eine -Spielleitung gibt, wenn die Spielerinnen und Spieler langfristige -Pläne haben, dann bietet es sich an, das Spiel in Echtzeit zu führen. +Spielt man mit Echtzeit, verstehen alle, wann Spielfiguren wieder +zurück sind. Wenn Spielfiguren mit einer anderen Spielleitung auf +Abenteuer sind, wenn Spielfiguren auf Reisen sind, wenn Spielfiguren +Zaubersprüche erforschen oder sonstige, langfristige Pläne haben, dann +bietet es sich an, das Spiel in Echtzeit zu führen. .gary Könnt Ihr das genauer erklären? .lkh -Angenommen ein Charakter möchte eine Seereise antreten, hat aber -kein Schiff und keine Crew. Möglicherweise hat er noch nicht einmal -genug Geld um Schiff und Crew zu bezahlen. In der laufenden -Spielsitzung könnte vielleicht noch ausgespielt werden, wie -er ein reparaturbedürftiges Schiff findet. Er handelt einen Preis -für die Reparatur aus, und gibt diese -in Auftrag. Voraussichtlich wird sein Schiff in vier Wochen reisefertig -sein. Der Spieler -erklärt, dass sein Charakter sich in diesen vier Wochen bemüht, -eine Crew zusammen zu trommeln und vielleicht auch noch etwas Geld zu -verdienen, um alles bezahlen zu können. Man könnte das alles abstrakt -abhandeln, aber wenn es in Echtzeit ausgespielt wird, ergeben sich ein -paar interessante Optionen: die Zwischenzeit wird zu einem interessanten -Aktionsraum: vielleicht unternimmt der Charakter noch einen Exkursion -in einen Dungeon um schnell ausreichend Geld heran zu schaffen, um seine +Angenommen ein Charakter möchte eine Seereise antreten, hat aber kein +Schiff und keine Crew. Möglicherweise hat er noch nicht einmal genug +Geld um Schiff und Crew zu bezahlen. In der laufenden Spielsitzung +könnte vielleicht noch ausgespielt werden, wie er ein +reparaturbedürftiges Schiff findet. Er handelt einen Preis für die +Reparatur aus, und gibt diese in Auftrag. Voraussichtlich wird sein +Schiff in vier Wochen reisefertig sein. Der Spieler erklärt, dass sein +Charakter sich in diesen vier Wochen bemüht, eine Crew zusammen zu +trommeln und vielleicht auch noch etwas Geld zu verdienen, um alles +bezahlen zu können. Man könnte das alles abstrakt abhandeln, aber wenn +es in Echtzeit ausgespielt wird, ergeben sich ein paar interessante +Optionen: die Zwischenzeit wird zu einem interessanten Aktionsraum: +vielleicht unternimmt der Charakter noch einen Exkursion in einen +Dungeon um schnell ausreichend Geld heran zu schaffen, um seine Expedition zu bezahlen. Außerdem hat der Spieler jetzt reichlich Zeit, -um seine Crew auszugestalten, und die Spielleitung hat mehrere -Wochen Zeit um Bewegnungen für die Seereise vorzubereiten. Das macht das +um seine Crew auszugestalten, und die Spielleitung hat mehrere Wochen +Zeit um Bewegnungen für die Seereise vorzubereiten. Das macht das Spiel immersiv und dynamisch. +.gary +Und du bist gleicher Meinung? .alex -In all diesen Fällen kann es vorkommen, dass die Spielfiguren -beschäftigt sind und trotzdem ein Spiel angesagt ist. Man kann dies -sehr einfach regeln und sagen, das wird alles ignoriert. So verpasst -man aber das Gefühl, dass Reisen, Feldzüge, Genesung, die Erforschung -von neuen Sprüchen oder das Erschaffen von magischen Gegenständen Zeit -brauchen. +Es kann oft vorkommen, dass Spielfiguren beschäftigt sind und trotzdem +ein Spiel angesagt ist. Man kann dies sehr einfach regeln und sagen, +wir ignorieren das. So verpasst man aber das Gefühl, dass Reisen, +Feldzüge, Genesung, die Erforschung von neuen Sprüchen oder das +Erschaffen von magischen Gegenständen Zeit brauchen. .IP Wenn diese langen Zeitspannen Teil vom Spiel sein sollen, gibt es zwei Möglichkeiten: Man führt einen Kalender für die Spielwelt oder man spielt in Echtzeit. .gary -Hm ... ein Kalender ... aber das ist noch ein zusätzliches Spielelement, +Hm ... was ein Kalender ... aber das ist noch ein zusätzliches Spielelement, oder? .alex -Ein Kalender für die Spielwelt bietet neue Namen für Wochentage und -Monate und neue Jahreszahlen. Das kann immersiv sein, ist aber auch -mühsam, wenn man Termine eintragen muss. Werden Zeitspannen -eingetragen, sind alle am Tisch versucht, einen Zeitsprung zu machen, -damit keine Spielfigur aussetzen muss. Damit ist das Verstreichen der -Zeit Makulatur und kann weg. +Klar, die verwendung eines Kalenders für die Spielwelt kann +inspirierend sein. Ein Kalender bietet neue Namen für Wochentage und +Monate, neue Jahreszahlen, Platz für lokale Feste und Heilige. .gary -Das hört sich nach viel Arbeit für nichts an ... +Und Nachteile hat es keine? .alex -Das Spiel in der Echtzeit erlaubt es, einen normalen Kalender für die -Ereignisse und Zeitspannen in der Spielwelt zu verwenden. Die -Kommunikation ist einfacher, weil die Wochentage und Monate die -gleichen Namen haben, und die Daten im Spiel mit den Daten in der -realen Welt übereinstimmen. Und zu guter Letzt ist die Versuchung -klein, Ausnahmen zu machen. Macht man Ausnahmen, verschieben sich die -Kalender und alles wird komplizierter. +Leider schon, weil man nicht normale Kalender aus Papier oder die +üblichen Kalendersoftware nehmen kann. Und wenn es dann heisst, die +eine Figur ist vier Wochen beschäftigt, gibt es einen sozialen Druck, +vier Wochen vorzuspulen. .gary -Das hört sich wirklich kompliziert an. Außerdem, was ist, wenn meine -Spielfigur laut Kalender gerade noch woanders ist, oder durch irgendeine -Aktivität gebunden ist? +Aber du bleibst da standhaft? .alex -Wenn ein Spielabend angesagt ist und Spielfiguren gemäss Kalender -anderweitig beschäftigt sind, werden weitere Spielfiguren erschaffen -und ins Spiel gebracht. +Es fällt mir nicht leicht. Ich bin etwas konfliktscheu. Ausserdem +stört mich, dass damit das Verstreichen der Zeit Makulatur ist. Man +springt ja sowieso in die Zukunft. .gary -Und das ist ein Vorteil? Kannst Du mir dafür ein Beispiel geben? -.Au "Alex Schroeder" +Dann ist die Arbeit ja umsonst gewesen? +.alex +Ja, genau. Wenn wir uns aber vorher darauf festgelegt haben, in +Echtzeit zu spielen und wir die Termine auch so eintragen, ist die +Versuchung geringer, in die Zukunft zu springen. +.gary +Wie meinst du das? +.alex +Wenn heute der 9. August ist und meine Spielfigur erforscht das Tor +der Sieben Sinne, sagt die Spielleitung vielleicht: "Gut, das dauert +vier Wochen. Am 6. September bist du bereit." Nun kann ich die anderen +am Tisch nicht mehr so einfach davon überzeugen, dass wir zum 6. +September vorspringen sollten, denn dann wäre im Spiel der 6. +September aber am Tisch wäre der 9. August. +.gary +Sehr verwirrend! +.alex +Eben! So warte ich lieber bis sowohl am Tisch als auch im Spiel der 6. +September ist und spiele bis dann eine andere Spielfigur. +.gary +Geht das denn? +.alex +Klar, wenn ein Spielabend angesagt ist und Spielfiguren gemäss +Kalender anderweitig beschäftigt sind, werden weitere Spielfiguren +erschaffen und ins Spiel gebracht. +.gary +Und das ist kein Problem? +.alex +Nein, weil das ja auch nur passiert, wenn die eigene Spielfigur lange +Reisen, Feldzüge, Forschungsprojekte und dergleichen mehr unternimmt. +So etwas kommt allmählich, genau wie die Verwendung von Gefolgsleuten. +.gary +Reden wir denn hier von den Gefolgsleuten der abwesenden Spielfiguren? +.alex +Kann so sein, muss nicht so sein. Wenn Gefolgsleute als vollwertige +Spielfiguren geführt werden, sollten sie auf alle Fälle den vollen +Anteil an Schätzen und Erfahrungspunkte erhalten. +.gary +Wir haben uns also darauf geeinigt, dass es richtig und nützlich ist, +über den Zeitverlauf einer Kampagne genau Buch zu führen? +.alex +Ja genau. Und wenn man in Echtzeit spielt, ist es total einfach, den +Zeitverlauf genau festzuhalten. +.lkh +Man könnte sogar sagen: "Eine sinnvolle Kampagne kann es ohne das +genaueste Festhalten des Zeitverlaufs nicht geben." +.gary +Das hätte ich nicht besser sagen können. +.Au "alex und lkh"