.H1 Spielen als Fraktionsspieler .2C .H2 Theorie .PP Die Domänenverwaltung gehört zu den Spielweisen, die heute vor allem mit der OSR verbunden wird. Im Rahmen des Baroniespiels prägte sie aber auch das frühe DSA und dessen lebendiges Aventurien. Beim Spiel mit Fraktionsspielern übernehmen die Fraktionsspieler einzelnen Organisationen oder Fraktionen innerhalb der Welt, ohne Teil der eigentlichen Abenteuergruppe zu sein (sie spielen also keine Einzelfiguren, die auf Abenteuer ausziehen). .PP Damit zeigt es auch gleich die Vorteile dieser Art von Spiel: Der SL ist nicht mehr für die gesamte Welt verantwortlich, sondern überträgt einen Teil der Verwaltung an Co-SL. Gerade beim Spiel in einer offenen Welt, bei denen die Spielfiguren auch politisch Einfluss nehmen, entlastet das den SL enorm. Fraktionsspieler können Schätze, Belohnungen und Aufträge in die Welt einspeisen, die sich nicht einer gefühlten Geschichte oder Balance, sondern den Interessen ihrer Organisation unterordnen. .PP Dazu kommt: Die Fraktionsspieler können ihre Fähigkeiten wesentlich skrupelloser gegen die Gruppe einsetzen als ein SL, weil sie nicht Richter und Henker in einer Person sind, sondern sich ihrerseits wieder den Entscheidungen des SL beugen müssen. .PP Allerdings stellt das Spiel mit Fraktionsspielern auch neue Anforderungen an den SL. Für die Fraktionsspieler sind politische Zusammenhänge wichtig, die Abenteurern egal sein können. Sie brauchen daher andere Informationen. Der SL muss zudem bereit sein, auf Kontrolle zu verzichten und den Fraktionsspielern Macht und Kompetenzen übertragen. .H2 Praxis .PP Ich spiele derzeit in einer Kampagne, in der es drei Interessengruppen gibt: eine auswärtige imperiale Macht, eine einheimische Hegemonialmacht und mehrere (untereinander zerstrittene) einheimische Kleinstaaten. Ich spiele einen der Kleinstaaten. .PP Ein erstes großes Problem bestand darin, die Machtverteilung zu verstehen. Wie stark sind die Kleinstaaten im Verhältnis untereinander? Wie stark ist die Hegemonialmacht im Vergleich zu den Kleinstaaten? Welche Machtmittel stehen der Hegemonialmacht zur Verfügung? Das Gleiche zu den Expeditionstruppen der imperialen Macht. .PP Dieses Problem wurde dann sehr einfach gelöst: Der SL fügte den Zufallsbegegnungen deren Fraktionszugehörigkeit hinzu und legte die Kosten für deren Beeinflussung offen. So war es nun möglich, nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich gegen die anderen Gruppe zu handeln (sprich: bei Einsatz von Plünderern konnten die Plünderer mit Tributzahlungen beschwichtigt anstatt bekämpft werden). .PP Das zweite große Problem war, dass der SL die Situation nur statisch vorgestellt hat. Es gab keine Nachrichten über neue Aktionen, wenn die Fraktionsspieler sie nicht aktiv angefordert oder verteilt haben. So konnte einer der Kleinstaaten einen anderen (ohne eigenen Fraktionsspieler) fast komplett zerstören, ohne dass die Nachbarn es mitgekriegt haben. Das verhinderte natürlich jegliche Interaktion. Ich würde mir hier regelmäßige Statusmitteilungen wünschen, damit wenigstens einmal pro Runde (z.B. Monat oder Saison, je nach Geschwindigkeit des Spiels) die wichtigsten Veränderungen allen Fraktionsspielern mitgeteilt werden. So können die einzelnen Fraktionsspieler viel besser entscheiden, zu welchen Themen sie über Spionage oder Botschaften vertiefte Informationen wünschen. .PP Einige Zeit lang gab es nur einen Fraktionsspieler, der zudem noch eine bisher eher isolierten Gruppe übernommen hat. Dadurch hatte der SL zunächst mehr Arbeit anstatt weniger, weil er quasi zwei unabhängige Spiele gleichzeitig leiten musste, ohne die Änderungen des einen sinnvoll in das andere integrieren zu können. Es wäre aus SL-Sicht daher sehr sinnvoll, potenziellen Fraktionsspielern gezielt spielnahe Fraktionen vorzustellen – die Verknüpfung machte allen Beteiligten (Spielern, SL und Fraktionsspielern) mehr Spaß. .H2 Fazit .PP Die theoretischen Vorteile des Spiels mit Fraktionsspielern lassen sich in der Praxis nur begrenzt erreichen. Gerade zu Beginn erfordern die Fraktionsspieler massive Unterstützung durch den SL, um sich zu orientieren. Wenn sie dann noch eine Fraktion übernehmen, die gerade nicht spielrelevant ist, bedeutet das für den SL über mehrere Monate mehr Arbeit und für den Fraktionsspieler das Gefühl, als fünftes Rad am Wagen mitzulaufen. .PP Der Einstieg in das Spiel mit Fraktionsspielern ist für den SL wie der Start einer komplett neuen Kampagne und erfordert entsprechende Struktur. Wenn man diese Struktur einmal aufgebaut hat, gibt sie aber tatsächlich wichtige Anstöße für das Spiel in einer offenen Welt. .Au belchion .PDFPIC "img/FreeAds_60x60.pdf"