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Grenzland-Zine/issue04/patrons
2024-09-09 13:06:46 +02:00

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Spielen als Fraktionsspieler
.2C
.H2
Theorie
.PP
Die Domänenverwaltung gehört zu den Spielweisen, die heute vor allem mit
der OSR verbunden wird. Im Rahmen des Baroniespiels prägte sie aber auch
das frühe DSA und dessen lebendiges Aventurien. Beim Spiel mit Fraktionsspielern
übernehmen die Fraktionsspieler einzelnen Organisationen oder Fraktionen
innerhalb der Welt, ohne Teil der eigentlichen Abenteuergruppe zu sein
(sie spielen also keine Einzelfiguren, die auf Abenteuer ausziehen).
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Damit zeigt es auch gleich die Vorteile dieser Art von Spiel: Der SL ist
nicht mehr für die gesamte Welt verantwortlich, sondern überträgt einen
Teil der Verwaltung an Co-SL. Gerade beim Spiel in einer offenen Welt,
bei denen die Spielfiguren auch politisch Einfluss nehmen, entlastet das
den SL enorm. Fraktionsspieler können Schätze, Belohnungen und Aufträge in die
Welt einspeisen, die sich nicht einer gefühlten Geschichte oder Balance,
sondern den Interessen ihrer Organisation unterordnen.
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Dazu kommt: Die Fraktionsspieler können ihre Fähigkeiten wesentlich skrupelloser
gegen die Gruppe einsetzen als ein SL, weil sie nicht Richter und Henker
in einer Person sind, sondern sich ihrerseits wieder den Entscheidungen
des SL beugen müssen.
.PP
Allerdings stellt das Spiel mit Fraktionsspielern auch neue Anforderungen an den
SL. Für die Fraktionsspieler sind politische Zusammenhänge wichtig, die
Abenteurern egal sein können. Sie brauchen daher andere Informationen.
Der SL muss zudem bereit sein, auf Kontrolle zu verzichten und den
Fraktionsspielern Macht und Kompetenzen übertragen.
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Praxis
.PP
Ich spiele derzeit in einer Kampagne, in der es drei Interessengruppen
gibt: eine auswärtige imperiale Macht, eine einheimische Hegemonialmacht
und mehrere (untereinander zerstrittene) einheimische Kleinstaaten. Ich
spiele einen der Kleinstaaten.
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Ein erstes großes Problem bestand darin, die Machtverteilung zu
verstehen. Wie stark sind die Kleinstaaten im Verhältnis untereinander?
Wie stark ist die Hegemonialmacht im Vergleich zu den Kleinstaaten?
Welche Machtmittel stehen der Hegemonialmacht zur Verfügung? Das Gleiche
zu den Expeditionstruppen der imperialen Macht.
.PP
Dieses Problem wurde dann sehr einfach gelöst: Der SL fügte den
Zufallsbegegnungen deren Fraktionszugehörigkeit hinzu und legte die
Kosten für deren Beeinflussung offen. So war es nun möglich, nicht nur
militärisch, sondern auch wirtschaftlich gegen die anderen Gruppe zu
handeln (sprich: bei Einsatz von Plünderern konnten die Plünderer mit
Tributzahlungen beschwichtigt anstatt bekämpft werden).
.PP
Das zweite große Problem war, dass der SL die Situation nur statisch
vorgestellt hat. Es gab keine Nachrichten über neue Aktionen, wenn die
Fraktionsspieler sie nicht aktiv angefordert oder verteilt haben. So konnte
einer der Kleinstaaten einen anderen (ohne eigenen Fraktionsspieler) fast
komplett zerstören, ohne dass die Nachbarn es mitgekriegt haben. Das
verhinderte natürlich jegliche Interaktion. Ich würde mir hier
regelmäßige Statusmitteilungen wünschen, damit wenigstens einmal pro
Runde (z.B. Monat oder Saison, je nach Geschwindigkeit des Spiels) die
wichtigsten Veränderungen allen Fraktionsspielern mitgeteilt werden. So können
die einzelnen Fraktionsspieler viel besser entscheiden, zu welchen Themen sie
über Spionage oder Botschaften vertiefte Informationen wünschen.
.PP
Einige Zeit lang gab es nur einen Fraktionsspieler, der zudem noch eine bisher
eher isolierten Gruppe übernommen hat. Dadurch hatte der SL zunächst
mehr Arbeit anstatt weniger, weil er quasi zwei unabhängige Spiele
gleichzeitig leiten musste, ohne die Änderungen des einen sinnvoll in
das andere integrieren zu können. Es wäre aus SL-Sicht daher sehr
sinnvoll, potenziellen Fraktionsspielern gezielt spielnahe Fraktionen
vorzustellen die Verknüpfung machte allen Beteiligten (Spielern, SL
und Fraktionsspielern) mehr Spaß.
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Fazit
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Die theoretischen Vorteile des Spiels mit Fraktionsspielern lassen sich in der
Praxis nur begrenzt erreichen. Gerade zu Beginn erfordern die Fraktionsspieler
massive Unterstützung durch den SL, um sich zu orientieren. Wenn sie
dann noch eine Fraktion übernehmen, die gerade nicht spielrelevant ist,
bedeutet das für den SL über mehrere Monate mehr Arbeit und für den
Fraktionsspieler das Gefühl, als fünftes Rad am Wagen mitzulaufen.
.PP
Der Einstieg in das Spiel mit Fraktionsspielern ist für den SL wie der Start
einer komplett neuen Kampagne und erfordert entsprechende Struktur. Wenn
man diese Struktur einmal aufgebaut hat, gibt sie aber tatsächlich
wichtige Anstöße für das Spiel in einer offenen Welt.
.Au belchion
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